Neuer Baustein bei der Nachhaltigkeit

Praxisanleiter sind Schlüsselpersonen im Bereich Nachhaltigkeit. Ein Workshop mit Fokus auf ökologische Aspekte der Pflege richtet sich direkt an sie und fand im April statt. Er knüpft thematisch an vieles an, was durch die AG Nachhaltigkeit im Krankenhaus St. Joseph-Stift bereits seit einiger Zeit angestoßen und entwickelt wird. Dazu zählen beispielsweise eine nachhaltigere Menüplanung in der Küche – sowohl in der Patientenversorgung als auch im Cafeteria-Angebot für unsere Tagesgäste – mehr dazu erfahren Sie hier.

Zudem gibt es bereits etliche umgesetzte Maßnahmen bei Mülltrennung, Trinkwasser, Wäsche und Materialverbrauch und solche, die sich aktuell in Prüfung befinden – hier ein Einblick dazu.

Warum Praxisanleiter?

Praxisanleiterinnen und -anleiter sind das Bindeglied zwischen theoretischem Unterricht und dem Alltag auf der Station. Sie begleiten Auszubildende nicht nur in pflegerischen Fertigkeiten, sondern prägen berufliche Haltungen und Werte – darunter zunehmend auch den achtsamen Umgang mit Ressourcen und die Sensibilität für klimabedingte Gesundheitsrisiken.

Diese Schlüsselrolle endet nicht mit der Ausbildung: Als erfahrene Fachkräfte bleiben sie auch auf den Stationen Ansprechpersonen und (informelle) Mentorinnen und Mentoren. Wenn sie ökologische Fragen in Reflexionsgespräche einbetten, nachhaltiges Handeln vorleben und im Kollegenkreis für Ressourcenverschwendung sensibilisieren, wirkt das weit über die Ausbildungssituation hinaus.

Der ICN-Ethikkodex 2021 formuliert dies als berufsethische Pflicht: Pflegefachpersonen setzen sich für den Schutz der natürlichen Umwelt ein und treten für Initiativen ein, die umweltschädliche Praktiken reduzieren. Pflegeberufe genießen in der Gesellschaft großes Vertrauen – Umfragen zeigen, dass 90 Prozent der Bevölkerung den Pflegepersonen ein hohes Ansehen zusprechen.

Workshop "Planetary Health in der Pflege"

Der Workshop beleuchtete eingangs, wie eng Gesundheitsversorgung und Klimakrise miteinander verknüpft sind – in beide Richtungen.

Hier ein paar Zahlen, die besonders nachdenklich machen:

  • 961 % mehr Hitzetage über 30°C: Gab es 1960 im Schnitt 1,3 solcher Tage pro Jahr, waren es 2024 bereits 12,5 Tage. Für unsere Patientinnen und Patienten, insbesondere Senioren und Menschen mit Herzerkrankungen, bedeutet das eine reale Gefahr.
  • Fünftgrößter Klimasünder: Wäre der globale Gesundheitssektor ein Land, stünde er weltweit an fünfter Stelle der CO₂-Emittenten (Health Care Without Harm & Arup, 2019). In Deutschland entfallen dabei 64 % der sektoralen Emissionen allein auf Krankenhäuser.
  • 45 Millionen Einmalhandschuhe: So viele verbrauchte die Berliner Charité im Jahr 2023 allein an Einweghandschuhen. Ein einziger Einweghandschuh hat dabei eine fast 29-fach größere CO₂-Auswirkung als eine Handdesinfektion mit Alkohollösung.
  • 7–16 kg Abfall pro chirurgischem Eingriff: Diese Menge fällt pro Patient im Krankenhaus an und ein einzelnes Krankenhausbett verbraucht so viel Energie wie vier neuere Einfamilienhäuser.

Neben diesen Fakten zum Gesundheitssektor wurde auch der Einfluss der Ernährung beleuchtet: Eine omnivore Standardernährung verursacht rund 1.600 kg CO₂-Äquivalente pro Person und Jahr – eine vegane Ernährung nur etwa 600 kg, eine Planetary Health Diet (mit moderaten Mengen tierischer Produkte) rund 750 kg.

    Konkrete Erkenntnisse aus dem Workshop für die Praxis:

    • Ökologische Aspekte künftig in Reflexionsphasen der Praxisanleitung einbeziehen
    • Pflegerische Tätigkeiten bewusster auf ihren Materialeinsatz hin hinterfragen
    • Sich besser auf klimabedingte Extremereignisse und Hitzesituationen vorbereiten
    • Neue Argumente für nachhaltiges Arbeiten mitnehmen, um im Kollegium ins Gespräch zu gehen

    Zitate von Praxisanleitern zum gemeinsamen Workshop

    Design-Welle
    Spannendes Thema, sehr sympathisch und fachlich gut strukturiert präsentiert.
    Design-Welle
    Sehr schöner Tag mit interessanten Themen – für den Klinikalltag und für den persönlichen Alltag.
    Design-Welle
    Gute, sehr kurzweilige Präsentation – lebendig vermittelt, gutes Eingehen auf die Gruppe und die hiesigen Gegebenheiten.
    Design-Welle
    Der Austausch untereinander war wirklich schön.

    Ausblick

    Bereits in Planung ist eine Folgeveranstaltung, die sich speziell an unsere Lehrerinnen richtet und gleichzeitig weitere Praxisanleitende gemeinsam mit Ausbildungspersonal unserer Kooperationspartner zusammenbringt.

    Ziel ist es, die Vernetzung zwischen schulischer Theorie und praktischer Ausbildung noch enger zu knüpfen und Planetary Health als gemeinsames Thema in der Ausbildungskultur zu verankern.

    Der Klimawandel ist nach The Lancet (2015) die größte Gesundheitsherausforderung des 21. Jahrhunderts. Gleichzeitig: Der Einsatz für eine gesündere, nachhaltigere Versorgung kann die größte Chance für die Gesundheit in diesem Jahrhundert sein. 

    Hintergrund

    „Planetary Health in der Pflege“ fand statt im Rahmen des Bundesförderprojekts BBNE-PfleGe – Berufliche Bildung für Nachhaltige Entwicklung für Praxisanleitende in Pflege- und Gesundheitsberufen.

    Die Fortbildung wurde gemeinsam von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und dem Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe (BBG) veranstaltet und ist anrechenbar auf die jährliche 24-Stunden-Fortbildungspflicht für Praxisanleitende.

    Alle Materialien sind zugänglich unter planetary-health-academy.de.